Die 42-Euro-Pflegebox

So sichern Sie sich kostenlose Hygieneartikel im Wert von 504 € pro Jahr

ca. 10 Min. LesezeitStand: 2026
Geöffnete Pflegebox mit Verbrauchsmaterialien auf dem Küchentisch
Bild: KI generiert

Auf einen Blick

Wer zu Hause gepflegt wird, hat Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von 42 € pro Monat – das sind 504 € im Jahr. Dazu gehören Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen und Schutzmasken. Das Geld kommt von der Pflegekasse; Sie müssen es nicht zurückzahlen und in der Regel auch nicht vorstrecken.

Der Anspruch gilt bereits ab Pflegegrad 1 und lässt sich besonders bequem über einen kostenlosen Abo-Service nutzen: Sie stellen die Box einmal zusammen, und sie kommt jeden Monat automatisch nach Hause. Dieser Ratgeber erklärt, welche Produkte in den Warenkorb dürfen, wie die Abrechnung funktioniert und wie Sie das Budget voll ausschöpfen.

Berechtigung

Die Hürden für diese Leistung sind erfreulich niedrig – und trotzdem wissen viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nichts davon. Die Pflegekasse stellt lediglich drei Bedingungen, die alle gleichzeitig erfüllt sein müssen.

Zunächst muss ein anerkannter Pflegegrad vorliegen. Anders als bei vielen anderen Pflegeleistungen reicht hier bereits Pflegegrad 1 aus. Das bedeutet: Schon wer „geringe Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit" aufweist, kann die Box bestellen. Ob Pflegegrad 1 oder 5 – das Budget beträgt immer 42 €, die Höhe des Pflegegrads spielt keine Rolle.

Zweitens muss die pflegebedürftige Person zu Hause wohnen. Dazu zählen die eigene Wohnung, ein Zimmer im Betreuten Wohnen oder eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Wer dauerhaft in einem Pflegeheim lebt, hat diesen Anspruch nicht, weil die Einrichtung die Verbrauchsmaterialien stellt.

Drittens muss die Pflege zumindest teilweise durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn erfolgen. Dieser Punkt klingt strenger, als er in der Praxis ist: Selbst wenn ein ambulanter Pflegedienst kommt, sind in der Regel Familienmitglieder in die tägliche Versorgung eingebunden – und damit ist die Voraussetzung erfüllt.

Kurzcheck: Pflegegrad vorhanden (egal welcher) + Pflege zu Hause + mindestens ein Angehöriger hilft mit = Anspruch auf 42 € pro Monat. Kein Rezept nötig.

Pflegebox-Konfigurator

Pflegebox-Konfigurator

Stellen Sie Ihre monatliche Gratis-Box zusammen

Ihr monatliches Budget42,00 € übrig
0 €42,00 €
🧤
Einmalhandschuhe
100er Box · 7,50 €
0
🧴
Händedesinfektion
500 ml · 8,00 €
0
🫧
Flächendesinfektion
500 ml · 9,50 €
0
🛏️
Bettschutzeinlagen
25 Stück · 12,00 €
0
🦺
Schutzschürzen
50 Stück · 6,00 €
0
😷
FFP2-Masken
10er Pack · 6,00 €
0

Die angegebenen Preise sind marktübliche Durchschnittswerte für die Kassenabrechnung. Der tatsächliche Abrechnungspreis kann je nach Anbieter leicht abweichen.

Warenkorb

Die Pflegekasse zahlt nicht für beliebige Hygieneartikel wie Duschgel oder Taschentücher. Im Hilfsmittelverzeichnis (Produktgruppe 54) ist exakt festgelegt, welche Artikel erstattungsfähig sind. Alle genannten Produkte dienen dem Schutz der pflegenden Person oder der Hygiene bei der Pflege.

Die „Big 5" der Pflegehilfsmittel

Fünf Produktkategorien bilden den Kern des monatlichen Budgets. Sie decken die häufigsten Bedarfe in der häuslichen Pflege ab und lassen sich flexibel kombinieren.

ProduktZweckHinweis
🧤 EinmalhandschuheSchutz bei Körperpflege und WundversorgungLatex, Nitril oder Vinyl – je nach Allergie
🧴 HändedesinfektionKeimschutz vor und nach der PflegeMindestens 500 ml empfohlen
🫧 FlächendesinfektionReinigung von Nachttisch, Bett, SanitärbereichSprühflasche oder Tücher
🛏️ BettschutzeinlagenSchutz für Matratze und PolsterEinweg-Unterlagen (saugfähig)
😷 SchutzmaskenInfektionsschutz bei AtemwegserkrankungenFFP2 oder OP-Masken – dauerhaft im Verzeichnis

Ergänzend sind auch Schutzschürzen (Einweg) und Fingerlinge erstattungsfähig. Diese werden seltener benötigt, können aber bei intensiver Pflege sinnvoll sein.

Nicht enthalten: Windeln, Vorlagen und Inkontinenzhosen gehören nicht in die 42-€-Box. Diese Produkte fallen unter Produktgruppe 15 des Hilfsmittelverzeichnisses und werden über ein ärztliches Rezept separat abgerechnet. Der Anspruch auf Inkontinenzversorgung besteht zusätzlich zur Pflegebox.

Abrechnung

Für den Bezug der Pflegehilfsmittel gibt es zwei Möglichkeiten. Beide führen zum gleichen Ergebnis – 42 € monatlich – unterscheiden sich aber erheblich im Aufwand.

Weg A: Der Abo-Service (empfohlen)

Die bequemste Lösung ist ein spezialisierter Pflegebox-Anbieter. Davon gibt es in Deutschland mehrere, die alle nach dem gleichen Prinzip arbeiten: Sie stellen sich einmalig eine Box zusammen, und der Anbieter liefert diese jeden Monat automatisch nach Hause. Die Abrechnung läuft direkt zwischen Anbieter und Pflegekasse – Sie sehen keine Rechnung und müssen nichts vorstrecken.

Der große Vorteil dieses Wegs ist die Null-Aufwand-Lösung: Der Anbieter übernimmt sogar die Antragstellung bei der Kasse für Sie. Sie unterschreiben einmal, und danach kommt die Box zuverlässig jeden Monat.

Tipp: Achten Sie bei der Wahl des Anbieters darauf, dass er einen Versorgungsvertrag mit Ihrer Pflegekasse hat. Seriöse Anbieter rechnen direkt ab. Verlangt ein Anbieter eine Vorauszahlung, ist Vorsicht geboten.

Weg B: Selbst kaufen und Quittung einreichen

Alternativ können Sie die Produkte selbst in der Drogerie, Apotheke oder im Sanitätshaus kaufen. Dann müssen Sie allerdings in Vorleistung gehen, alle Quittungen aufbewahren und monatlich einen Erstattungsantrag bei der Pflegekasse einreichen. Für die meisten Menschen ist das unverhältnismäßig viel Papierkram für 42 € – weshalb der Abo-Service deutlich häufiger genutzt wird.

Budget-Strategie

Ein wichtiger Punkt, den viele übersehen: Das Budget verfällt am Monatsende. Nicht genutzte Beträge können nicht in den nächsten Monat mitgenommen werden. Wenn Sie im Januar nur Produkte für 30 € bestellen, sind die restlichen 12 € verloren – sie lassen sich nicht ansparen.

Deshalb lohnt es sich, die Zusammenstellung der Box einmal sorgfältig zu planen. Nutzen Sie den Konfigurator oben, um verschiedene Kombinationen auszuprobieren. Ziel ist es, möglichst nah an 42 € heranzukommen, ohne diesen Betrag zu überschreiten.

Flexibel bleiben: Bei den meisten Abo-Anbietern können Sie die Zusammenstellung monatlich ändern. Wenn sich Desinfektionsmittel ansammelt, tauschen Sie es gegen Handschuhe oder Bettschutzeinlagen. So verhindern Sie Überbestände und nutzen das Budget optimal.

Ein typisches Beispiel für eine optimal ausgeschöpfte Box: eine Packung Einmalhandschuhe (7,50 €), eine Flasche Händedesinfektion (8,00 €), eine Packung Bettschutzeinlagen (12,00 €) und eine Packung Schutzmasken (6,00 €). Zusammen ergibt das 33,50 € – für die restlichen 8,50 € könnten Sie noch Schutzschürzen oder Flächendesinfektion hinzufügen.

Abgrenzung

Die 42-€-Pauschale deckt nur „zum Verbrauch bestimmte" Pflegehilfsmittel ab. Daneben gibt es weitere Budgets, die das Wohnen und die Pflege zu Hause erleichtern. Diese Ansprüche bestehen zusätzlich zur Pflegebox und können parallel genutzt werden.

LeistungBetragVoraussetzung
Technische PflegehilfsmittelLeihweise kostenfreiÄrztliches Rezept (z. B. Pflegebett, Rollator)
InkontinenzversorgungBedarfsabhängigÄrztliches Rezept (Produktgruppe 15)
WohnumfeldverbesserungBis zu 4.180 €Ab Pflegegrad 1, Antrag bei Pflegekasse
Hausnotruf25,50 €/MonatAb Pflegegrad 1, allein lebend empfohlen
Wohngruppenzuschlag224 €/MonatLeben in einer Pflege-WG

Die wichtigste Erkenntnis: Alle diese Leistungen sind voneinander unabhängig. Sie können gleichzeitig die Pflegebox beziehen, einen Hausnotruf nutzen und einen Zuschuss für den Badumbau erhalten. Die Budgets werden nicht miteinander verrechnet.

Checkliste

Ihr Fahrplan in vier Schritten

1

Bedarf prüfen

Überlegen Sie, welche Produkte Sie tatsächlich benötigen. Besonders häufig gebraucht werden Bettschutzeinlagen und Einmalhandschuhe. Nutzen Sie den Konfigurator oben für eine Zusammenstellung.

2

Anbieter wählen

Suchen Sie einen Pflegebox-Anbieter mit Versorgungsvertrag Ihrer Kasse – oder gehen Sie zu Ihrer Apotheke vor Ort. Der Anbieter übernimmt den Papierkram für Sie.

3

Antrag unterschreiben

Füllen Sie den „Antrag auf Kostenübernahme für Pflegehilfsmittel" aus. Bei einem Abo-Anbieter erhalten Sie dieses Formular vorbereitet – Sie müssen nur noch unterschreiben.

4

Lieferung abwarten

Die Genehmigung durch die Pflegekasse dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Danach kommt die erste Box – und ab dann automatisch jeden Monat. Die Genehmigung gilt meist unbefristet.

Häufige Fragen

Quellen

  • Sozialgesetzbuch (SGB) Elftes Buch (XI) – § 40 Abs. 2 (Pflegehilfsmittel zum Verbrauch)
  • GKV-Spitzenverband: Hilfsmittelverzeichnis Produktgruppe 54 – Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel
  • Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG): Anhebung der Pauschale auf 42 €
  • Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber Pflege – Leistungen der Pflegeversicherung